Der Heilige Nikolaus steht im Fokus der ersten Kunstpause digital des Suermondt-Ludwig-Museums der Stadt Aachen im Dezember.
Nikolaus ist einer der am meisten verehrten Heiligen der Christenheit. In der katholischen Kirche wird er häufig als „Nothelfer“ angerufen; die orthodoxen Christen bezeichnen ihn als „Wundertäter“. Von der historischen Person gilt nur als sicher, dass Nikolaus im vierten Jahrhundert Bischof von Myra an der heutigen türkischen Mittelmeerküste war. Seine Reliquien werden in der süditalienischen Hafenstadt Bari verehrt. Schon die in Myra früh einsetzende Nikolaus-Verehrung galt seiner Güte. Um den Heiligen ranken sich viele Legenden, deren historische Ursprünge bei anderen Heiligen gleichen Namens liegen. Nach einer Erzählung erweckte Nikolaus drei ermordete Schüler wieder zum Leben. Er ist deswegen auch Patron der Schüler. Einer anderen Legende nach schenkte er drei Mädchen heimlich Gold für die Aussteuer, um sie vor der Tempelprostitution zu retten. Im Mittelalter wählten Klosterschüler am Vorabend des Nikolausfestes einen „Kinderbischof“. Abt oder Bürgermeister gaben die Herrschaft für einen Tag symbolisch in die Hände der Kinder. Der Kinderbischof, bekleidet mit einer Mitra und den Gewändern eines Bischofs, „visitierte“ die Klosterschule. Er bestrafte Schüler oder belohnte sie mit Süßigkeiten. Aus kirchlicher Sicht hat der am Konsum orientierte Weihnachtsmann der Geschenke-Industrie nichts mit dem Bischof Nikolaus zu tun, der selbstlos Menschen in Not geholfen habe. In den vergangenen Jahren haben kirchliche Organisationen Initiativen gestartet, um das Andenken des Heiligen zu fördern und vom Weihnachtsmann der Werbung abzugrenzen. Verkauft werden dabei auch Schoko-Nikoläuse als Alternative zu den Weihnachtsmännern mit Mütze und Beutel.

Ein Werk in 15 Minuten

Dienstags von 13.00 – 13.15 Uhr

Lust auf Abwechslung in der Mittagspause und neue Bekanntschaften? Dann machen Sie doch eine Kunstpause im Suermondt-Ludwig-Museum.

Dort erwartet Sie ein Speed-Dating der besonderen Art: In nur 15 Minuten lernen Sie ein Meisterwerk der Kunstgeschichte kennen.


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DI, 07.12., 13.00 – 13.15 UHR

Apotheose des heiligen Nikolaus, 1740

Unbekannter Maler

Öl auf Leinwand

Sein Name ist Kult: Heiliger Nikolaus. Er zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligen unserer Zeit. Mit 19 Jahren erhielt er die Priesterweihe, wurde später zum Bischof von Myra ernannt. Seine entwendeten Gebeine wurden von Piraten 1087 nach Bari gebracht, wo eine Grabeskirche zur weiteren Verehrung errichtet wurde. Im Jahr 1222 sprach man ihn beim Konzil in Oxford heilig.

Jedes Jahr am 6. Dezember kommt die Erinnerung an ihn zurück, wenn er seine legendären Hausbesuche macht, für die Kinder traditionell ihre Schuhe und Stiefel freiwillig putzen, um morgens mit Süßigkeiten belohnt zu werden. Doch woher kommen Stiefelbrauch und Nikolaus-Kult, und was für ein Mensch war er überhaupt? Denn eines ist sicher: Es gab ihn wirklich, den heiligen Nikolaus!

Mit Sarvenaz Ayooghi

DI, 14.12., 13.00 – 13.15 UHR

Jusepe de Ribera (1591-1652)

Anbetung der Hirten, 1629

Öl auf Leinwand

Einige Werke in den Sammlungen des Suermondt-Ludwig-Museums stammen aus dem mediterranen Bereich, so die großformatige Anbetung der Hirten des Spaniers Ribera, der frühzeitig nach Italien ging und sich in Neapel niederließ. Dort orientierte er sich an den Werken Caravaggios, die sich durch eine neuartige realistische Bildgestaltung und Hell-Dunkel-Effekte auszeichnen. So wurde Ribera zum bedeutendsten Naturalisten der Neapolitanischen Malerschule, ein Aspekt, der sich insbesondere in den Physiognomien der sechs Hirten widerspiegelt. Die kontrastreiche Lichtregie Riberas diente der Emotionalisierung des Betrachtenden, und das jugendliche Aussehen des Joseph entsprach den bildpropagandistischen Überlegungen der mit dem Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Katholischen Reform.

Mit Dr. Dagmar Preising

DI, 21.12., 13.00 – 13.15 UHR

Weihnachtskrippe (siehe auch längerer Text oben)

Kernbestand um 1800-1820, spätere Zugänge, Innsbrucker Umland

(vermutlich Zirl/ Thaur), erworben 1908 von Gebhard  Sagmeister, Bregenz 

Gehma Krippele schaugn!

Von Italien ausgehend verbreitete sich seit dem späten Mittelalter der Brauch, mit Figuren die Weihnachtsgeschichte nachzustellen und entsprechend auszuschmücken. In Tirol hat die Präsentation der Weihnachtskrippe noch große Tradition. Nicht nur in Kirchen, sondern auch in Privathaushalten werden jedes Jahr Krippenberge mit einer Vielzahl von Statuetten belebt. Nachbarn besuchen sich gegenseitig unter der Aufforderung „Gehma Krippele schaugn!“, um sich die aufgebaute und jährlich leicht variierte oder erweiterte Szene anzusehen und mit den jeweiligen stolzen Besitzern bei einem „Kaschteler“ (im Wandschrank aufbewahrter selbstgebrannter Obstschnaps) fachzusimpeln  über die Krippe und den Hochprozentigen. Die 130 Figuren umfassende Tiroler Weihnachtskrippe des Suermondt-Ludwig-Museum aus der Biedermeierzeit  (ca. 1800-1820) besteht aus ca. 34 cm hohen Figuren, die Wachsköpfe mit eingesetzten Glasaugen und Wolle bzw. Hanffasern als Haare aufweisen. Die den Körper bildenden Holz- und Drahtgestelle sind mit textilen Gewändern „ummantelt“. Geschnitzte Tiere (Schafe, Ziegenbock, Hund, Esel, Ochs, Bär, Wolf, Gämsen, Elefant, Kamel), Gebäudeteile und ein gemalter Landschaftshintergrund vervollständigen das Diorama. Die Kirchenkrippe ist im Innsbrucker Umland (Axams, Zirl usw.) entstanden, möglicherweise ist sie mit der 1888 aus der Pfarrkirche Zirl verkauften identisch.

Mit Michael Rief

Foto © TOP AACHEN