Mit der ARCHIV-POST berichtet das Stadtarchiv als zentrale Gedächtniseinrichtung aus der Alltagsarbeit, aus der Geschichte oder auch von besonderen Fortschritten, Archivalien oder anderem.
Neues vom Wiederaufbau: Ausschreibung der Trocknungsmaßnahme
„Was lange währt, wird endlich gut“ bzw. trocken, kann man als Motto dieser Archiv-Post des Wiederaufbaues des Stadtarchivs sagen. Am 29. Juli 2021 wurde die letzte Palette mit nassem Archivgut gepackt und in das Tiefkühlhaus geliefert. Im fünften Jahr danach erfolgte nun die europaweite Ausschreibung für die Trocknungsmaßnahme. Bauakten, Zwischenarchivgut und vor allem historisches Archivgut im Umfang von 401 Euro-Paletten harren auf die Vakuumgefriertrocknung durch spezialisierte Dienstleistungsunternehmen.
Zwei Wochen lang hatten hunderte Helferinnen und Helfer das Stadtarchiv unterstützt, das wertvolle Schriftgut zu bergen und der rettenden Tiefkühlung zuzuführen. Nur um Zeit zu gewinnen: Für die vorbereitenden Maßnahmen, Mittelbereitstellung, Planung. Die komplexe Ausschreibung wurde ausgearbeitet und die notwendigen Räumlichkeiten geschaffen, um das getrocknete Schriftgut auch sicher und fachgerecht einlagern zu können. Ende März wurde nun die Ausschreibung veröffentlicht, so dass die 401 Paletten, aufgeteilt in 20 Lose, durch Dienstleister getrocknet werden können. Die probeweise Gefriertrocknung von Unterlagen im LVR-Museum Bonn hat ergeben, dass pro Palette etwa 100 Liter Wasser gespeichert sind. Nur die mit Plänen und Grafiken gepackten Paletten sind so flach wie diese im Foto. Der Großteil ist etwa 130 cm hoch mit Unterlagen in Kartons gepackt worden.
Das Verfahren selbst ist einfach, aber zeitaufwändig. In einem künstlich erzeugten Vakuum in einer röhrenförmigen Apparatur wird ein Druck von unter 0,5 mbar erreicht. Nach physikalischen Gesetzmäßigkeiten sinkt bei geringerem Druck der Siedepunkt, so dass das Wassereis in den Unterlagen bei Raumtemperatur direkt verdampft, ohne in den flüssigen Zustand überzugehen. Ein Kondensator im Gerät fängt die Flüssigkeit auf und führt sie ab. Dabei ist das Archivgut selbst noch tiefgefroren und wird sofort trocken. Durch begleitende mechanische Effekte werden sogar verklebte Papierseiten getrennt. Bei der immensen Wassersättigung unserer Unterlagen dauert der Prozess mehrere Wochen. Und der gesamte Prozess für alle Unterlagen des Stadtarchivs voraussichtlich mehrere Jahre.
Die Lose umfassen Hausakten des Amts für Bauordnung, die Unterlagen des Verwaltungsarchivs und zum größten Teil natürlich des Historischen Archivs. Wenn der aufwändige Prozess der Trocknung abgeschlossen ist, werden sukzessive die trockenen Unterlagen gesichtet, restauriert und wieder der Nutzung durch Verwaltungsmitarbeiter/innen bzw. Nutzer/innen des Stadtarchivs bereitgestellt. Die Wiederherstellung der stadtgeschichtlichen Dokumente ist eine sehr aufwändige, zeit- und kostenintensive der Wiederaufbaumaßnahmen der Stadtverwaltung, die durch den Wiederaufbaufonds des Bundes und der Länder gefördert wird.
Das Stadtarchiv beherbergt und sammelt als Historisches Kompetenzzentrum und ‚Gedächtnis der Stadt‘ Akten, Urkunden, Bilder, Bücher, Zeitungen, Nachlässe und andere Sammlungen der Stadtgeschichte. Haben Sie Fragen rund um Geschichte und Archivwesen, ein Forschungsprojekt oder möchten uns historische Dokumente oder Erinnerungsstücke, wie Fotos, Videos, Berichte oder Objekte anbieten, kontaktieren Sie das Stadtarchiv unter 02402/13364 oder 13313 oder stadtarchiv@stolberg.de!
Foto © Stadt Stolberg: Die letzte Palette, die am 29. Juli 2021 ins Tiefkühlhaus gesandt wurde, mit den freiwilligen Helferinnen und Helfern, Stadtarchivar Christian Altena (5. v. l.) und Bürgermeister Patrick Haas (5. v. r.)