So schnell wird aus einer Überraschungssiegerin ein Dauerbrenner. Zum dritten Mal in Folge holt sich Annika Geller den Titel «Sportlerin des Jahres». 31,16 Prozent der «Nachrichten»-Leser wählten die Behindertensportlerin.
Das sind zwar fünf Prozent Stimmen weniger als in 2006, aber diesmal ist der Abstand zur Zweitplatzierten fast doppelt so groß. Die Schwimmerin der BSG Aachen träumt von den Paralympics in Peking, die unmittelbar nach den Olympischen Spielen ausgetragen werden.

Genau wie im vergangenen Jahr geht der 2. Platz an Nadine Capellmann. Die Dressurreiterin aus Würselen gewinnt 14,86 Prozent Stimmen. Platz 3 geht an die Wasserspringerin Uschi Freitag.

Diesmal sorgen die Ergebnisse bei den Herren für die große Überraschung. Der «Sportler des Jahres 2007» heißt Martin Otto. 24,66 Prozent der Leser wählten den jungen Ringer des TV Eintracht Walheim (siehe auch Bericht oben). Mit Silber muss sich Sascha Klein, der Titelträger aus dem Vorjahr, begnügen. Der Neptun-Wasserspringer vereint 20,36 Prozent Stimmen auf sich. Knapp, mit gerade einmal 30 Stimmen weniger, läuft Philipp Nawrocki als Drittplatzierter ein. Der Läufer der Aachener Turngemeinde gewinnt 20,06 Prozent Stimmen.

Auch ohne die Abo-Sieger, die Fußball-Profis vom Tivoli, triumphiert die Alemannia bei der Sportlerwahl. Die Zweitliga-Volleyballerinnen feierten ihren Titel «Mannschaft des Jahres 2007» ausgelassen. 27,31 Prozent Leserstimmen konnten die «Ladies in Black» auf sich vereinen. Damit legte das Team von Trainer Luc Humblet im Vergleich zum Vorjahr (Rang 3) noch einmal um über 11 Prozent nach.

In der vergangenen Saison belegten Mannschaftskapitän Lis Zernickow, Bina Rollesbroich und Co. Platz 3 in der 2. Bundesliga. Derzeit sind die Alemannia-Damen ganz klar auf Erstligakurs. Mit dem zwölften Sieg in Folge holte sie sich erst am vergangenen Wochenende in Hamburg die Tabellenführung zurück. Falls die Konkurrenz mitspielt und Alemannia Aachen am Samstagabend in eigener Halle Emlichheim schlagen kann, wäre der Bundesligaaufstieg schon vorzeitig perfekt und damit auch ein heißer Kandidat für die Wahl zur Mannschaft des Jahres 2008 geboren.

Viel Power belegt die anderen beiden Plätze auf dem Treppchen. Der Bundesligaaufstieg sichert den Judoka des TSV Hertha Walheim den 2. Platz. 18,55 Prozent der Leser wählten die Judokämpfer aus dem Aachener Süden. Mit dem Sieg in der Relegation in Bottrop wurde im Oktober der Traum von Trainer Oliver Rychter und seinen Jungs wahr. 15,84 Prozent unserer Leser, also nicht einmal drei Prozent weniger, voteten für die Ringer des TV Eintracht Walheim. Für sie bedeutet der Bundesligaaufstieg Rang 3.

Denn Martin Otto war am Dienstagabend im Kino, weil er Ringer ist. Ein ziemlich erfolgreicher sogar. So erfolgreich, dass er bei der Sportlerwahl der «Nachrichten» als «Sportler des Jahres» nominiert wurde. Dabei wollte sein Vater Siegfried nie, dass seine Söhne Martin und Peter Ringer werden, weil der Sport so auf die Knochen geht. Er muss es ja wissen. Der Walheimer ist selbst Ringer, so wie seine Brüder Wolfgang und Dieter.

Wolfgang Otto war auch dabei, als vor 25 Jahren die Sportlerwahl der «Nachrichten» ihre Premiere feierte, und er war auch der erste, der als Sportler des Jahres ausgezeichnet wurde. Er war der erste und bisher einzige Ringer, der diesen Titel erhielt. Damals war die Veranstaltung, die Sportredakteur Max Eckstein ins Leben gerufen hat, etwas kleiner. Gefeiert wurde im Aachener Ratskeller. «Das ist nicht zu vergleichen», sagt er und sieht sich um. Damals gab es keinen roten Teppich, keine Musik, keine Showeinlage. «Damals gab es einfach ein gemütliches Abendessen.»

Am Dienstag gibt es eine Kostprobe aus dem Musical Mamma Mia Artistik mit mit Noah Chorny und Party mit der Coverband «Night in Paris». Und ein großes Buffet wartet auf Martin, der im April für einen Kampf bis 99 Kilo angemeldet ist. «Da kann ich ruhig noch fünf Kino zulegen», sagt er und schaut schon einmal nach den Leckereien.

Das Kokossüppchen mit Passionsfruchteis sieht gut aus. Aber bevor Martin etwas für sein Kampfgewicht tun kann, folgt der 16-Jährige seinen Ringerkollegen in den größten Kinosaal des Hauses. Sein Team vom TV Walheim ist nämlich auch nominiert, und zwar für die beste Mannschaft des Jahres. Das Licht geht aus. Die Spannung steigt. Zuerst wird einer geehrte, dessen Name bereits in der Zeitung gestanden hat: Paul Königs erhält den Egidius-Braun-Preis für seine unermütliche Leistung im Ehrenamt.

Königs ist gerührt, als ihm Schirmherr Theo Zwanziger den Preis überreicht. Martin kennt Theo Zwanziger aus dem Fernsehen und findet ihn «erstaunlich locker und nett». Auch als er nachher mit Chefredakteur Bernd Mathieu darüber redet, dass es den Sport kaputt macht, wenn wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund stehen und nicht mehr sportliche, ist er beeindruckt.

Die Preisträger werden aufgerufen wie Filmpreisträger. Ihm entfährt kein Freudenjuchzer wie Annika Geller, die kurz zuvor zum dritten Mal als Sportlerin des Jahres geehrt wurde. Er merkt erst mal gar nicht, dass er aufgerufen wird, bis die «Martin-Martin»-Rufe seiner Ringerfreunde lauter werden. So ´ne Mannschaft im Rücken ist stark und macht stark. Seinen dritten Deutschen Meistertitel in Folge hat die 94 Kilo schwere Kampfmaschine allerdings allein gewonnen. Nach dem Freistil-Sieg in der C-Jugend sicherte er sich zweimal hintereinander den B-Jugendtitel im griechisch-römischen Stil.

Und damit schließt sich auch bei den Sportlerwahlen der Kreis. Beim Debüt 1983 siegte Onkel Wolfgang Otto und zum 25-jährigen Jubiläum der Nachrichten-Veranstaltung jubelt mit Neffe Martin erstmals wieder ein Ringer, ein 16-jährigen Schüler. Otto ringt noch in der zweiten Mannschaft der Eintracht und hatte dort erheblichen Anteil am Aufstieg in die Verbandsliga. Im Seniorenbereich klopft Martin an das Tor zur Bundesliga.

Das Ringen liegt in der Familie. «Wer ringt eigentlich nicht in Deiner Familie?», fragt Moderator Achim Kaiser. «Meine Mutter!»

Hier die Ergebnisse:

Sportler ders Jahres 2007:
1. Martin Otto (Ringen) 24,7 %
2. Sascha Klein (Wasserspringen) 20,4 %
3. Philipp Nawrocki (Leichtathletik) 20,0 %
4. Norman Becker (Wasserspringen) 16,3 %
5. Michael Schweizer (Radsport) 13,0 %
6. Peter Gaus (Leichtathletik) 5,6 %

Sportlerin des Jahres 2007:
1. Annika Geller (Schwimmen) 31,1 %
2. Nadine Capellmann (Dressurreiten) 14,9 %
3. Uschi Freitag (Wasserspringen) 14,3 %
4. Jil de Ridder (Dressurreiten) 13,5 %
5. Nicola Rössler (Golf) 13,2 %
6. My Phan (Wasserspringen) 13,0 %

Mannschaft des Jahres 2007:
1. Alemannia Aachen (Volleyball) 27,3 %
2. Hertha Walheim (Judo) 18,6 %
3. Eintracht Walheim (Ringen) 15,8 %
4. BTB Aachen A-Jgd. (Handball) 15,6 %
5. SV Neptun (Wasserspringen) 14,5 %
6. Evivo Düren (Volleyball) 8,2 %

Quelle: Aachener Nachrichten